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24.09.2025 Presse

SOS Kinderdorf: gesetzliche Meldepflicht bei Übergriffen

Mann liest Zeitung

SOS Kinderdorf - Grüne für gesetzliche Meldepflicht bei Übergriffen

Arslan: „Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Um Kinder vor systematischer Gewalt zu beschützen reichen interne Bericht nicht aus – alle übergriffigen Handlungen sind sofort den Behörden zu melden und das Land muss die internen Kontrollen aufarbeiten“

Betroffen und verärgert zugleich reagieren die Tiroler Grünen auf die nun öffentlich gewordenen systematischen Übergriffe in den SOS Kinderdörfern – darunter auch am Standort in Imst. „Als Mutter zweier Kinder macht es mich tief betroffen. Kinder, die in Obhut sind, haben so und so keinen leichten Stand. Dass sie zusätzlich systematischer Gewalt ihrer erwachsenen Bezugspersonen ausgesetzt sind, ist nicht in Worte zu fassen“, sagt die Grüne Familiensprecherin Zeliha Arslan.

Politisch müsse der vertuschende und zögerliche Umgang von SOS Kinderdorf mit den Übergriffen Konsequenzen haben. „Wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen. Um Kinder vor systematischer Gewalt zu beschützen, reichen interne Berichte bei weitem nicht aus. Es braucht eine gesetzliche Pflicht für alle Vereine und Organisationen, die Kinder in ihrer Obhut haben, dass jeglicher Übergriff sofort den Behörden und der Staatsanwaltschaft zu melden ist“, fordert Aslan einen höheren Kinderschutz in Österreich ein. Darüber hinaus müssen auf Landesebene die Kontrollmechanismen derartiger Einrichtungen überprüft werden. „Ich werde dazu eine Anfrage an Landesrätin Pawlata richten. Auch auf Landesebene müssen wir hinterfragen und beleuchten, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichend sind oder ob es Lücken gibt, die es nicht geben darf“, so Arslan.

Wie in einem Salzburger SOS Kinderdorf heute bekannt wurde, soll ein Mitarbeiter bereits 2020 zwei Mädchen sexuell missbraucht haben. Erst jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses. Der Beschuldigte ist zudem einschlägig vorbestraft, weil er sich zwischen 2011 und 2013 an einem unmündigen Mädchen vergriffen hatte.

Auch die Grüne Bezirkssprecherin in Imst Dorothea Schumacher ist fassungslos ob der jahrelangen Verheimlichung der Übergriffe und des fahrlässigen Verhaltens der Verantwortlichen. „Man fragt sich, wie es im Jahr 2025 sein kann, dass es über Jahre zu struktureller, psychischer, sexualisierter und körperlicher Gewalt kommen kann, ohne dass die Alarmglocken angehen. Die internen Mechanismen im SOS-Kinderdorf haben komplett versagt. Und die Verantwortlichen haben den Weg der Vertuschung gewählt statt den Weg der transparenten Aufklärung. Dass nun eine unabhängige Kommission unter der Vorsitzführung von Irmgard Griss eingesetzt wurde ist wichtig, aber kommt für viele Kinder zu spät“, so Schumacher.

Es liege jetzt an den Verantwortlichen im SOS Kinderdorf „alles erdenkliche für das Kinderwohl zu unternehmen. Dazu zählt auch schonungslos alles auf den Tisch zu legen und personell wie strukturell deutliche Konsequenzen zu ziehen“, so die Grünen.

Zeliha Arslan
Zeliha Arslan

Landtagsabgeordnete, Mitglied Landesvorstand (Klub), Delegierte zum Erweiterten Landesvorstand

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