Offener Brief an den Bürgermeister zum geplanten Musikpavill
Offener Brief an den Bürgermeister zum geplanten Musikpavillon im Dorfzentrum [Fieberbrunn, am 10.03.2026]
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
lieber Walter,
wir wenden uns mit diesem offenen Brief an dich, weil wir mit der aktuellen Entwicklung rund um das Bauprojekt des Musikpavillons im neuen Dorfzentrum nicht glücklich sind.
Im Wettbewerb für die Neugestaltung des Dorfzentrums wurde eine Bühne mit multifunktionaler Nutzung gefordert. Unter Vorbehalt der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen wurde das Siegerprojekt einstimmig gewählt. Bei der Präsentation des Projekts hat uns der ausführende Architekt, DI Thomas Fliri, noch versichert, dass sich das Gewinnerprojekt des Architektenwettbewerbs in Richtung Multifunktionalität weiterentwickeln werde. Leider konnten wir diese Weiterentwicklung bislang nicht erkennen. Der aktuelle Planungsstand lässt vielmehr den Eindruck entstehen, dass ein klassischer Musikpavillon entstehen soll – ohne zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten.
Das finden wir sehr schade. Der Pavillon wird das Herzstück unseres Dorfplatzes sein. Wenn dieses Herzstück jedoch ausschließlich bei Auftritten unserer – ohne Zweifel hervorragenden – Knappenmusikkapelle seine Funktion erfüllt, wird es schwierig werden, den Dorfplatz dauerhaft zu beleben.
Im Kern geht es um eine einfache, aber entscheidende Frage:
Bauen wir einen Pavillon für 30 Stunden im Jahr – oder für 365 Tage?
Niemand stellt in Frage, dass unsere Musikkapelle eine würdige Bühne verdient. Ein Pavillon im Zentrum von Fieberbrunn kann genau diese Bühne sein – ein Ort, der Musiker und Publikum begeistert und der unserer Musikkapelle die Aufmerksamkeit gibt, die sie verdient.
Doch was passiert mit dem Pavillon, wenn gerade kein Platzkonzert stattfindet?
Ein klassischer Musikpavillon wird außerhalb dieser wenigen Veranstaltungen meist nur eine überdachte Fläche sein – ohne echte Aufenthaltsqualität, ohne Nutzung im Alltag, ohne Angebote für Kinder, Gäste oder Einheimische.
Rechnet man es nüchtern zusammen, ergibt sich ein frustrierendes Bild:
Etwa 15 Platzkonzerte pro Jahr mit jeweils rund zwei Stunden Dauer ergeben ungefähr 30 Stunden Nutzung pro Jahr.
Das bedeutet: Ein klassischer Pavillon wäre über 99 Prozent der Zeit lediglich eine Konstruktion auf dem Dorfplatz.
Das kann nicht unser Anspruch sein – vor allem dann nicht, wenn wir gleichzeitig das Ziel verfolgen, das Zentrum unseres Ortes zu beleben.
Unser gemeinsames Ziel ist doch klar formuliert:
Wir wollen ein lebendiges Zentrum. Einen Dorfplatz, auf dem sich Menschen gerne aufhalten – Einheimische ebenso wie Gäste, Familien ebenso wie ältere Menschen. Einen Ort, der Begegnung ermöglicht und der immer wieder Gründe bietet, dorthin zurückzukehren.
Ein solcher Platz entsteht nicht allein durch Architektur. Er entsteht durch Nutzung, durch Aktivität, durch Begegnung und durch Erlebnisse.
Gerade deshalb sind wir überzeugt: Der Pavillon sollte von Anfang an multifunktional gedacht werden.
Gegenentwurf
Im Folgenden möchten wir einen multifunktionalen Gegenentwurf vorstellen und zeigen, dass der Pavillon weit mehr sein kann als eine Bühne für Musikkapellenkonzerte – ein Ort, der zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten schafft und von dem sowohl die Fieberbrunner:innen, Gäste als auch zentrale Institutionen im Ort profitieren.
Fallstudie: Ein Pavillon, der Menschen anzieht
Fieberbrunn lebt stark vom Tourismus. Zwei der wichtigsten Akteure im Ort sind:
– Die Bergbahn
– Der Tourismusverband
Warum also nicht beide aktiv in den wichtigsten Platz des Ortes integrieren?
Die Idee:
Der Pavillon wird zu einem multifunktionalen Erlebnisraum, der Sommer und Winter gleichermaßen erlebbar macht. Der Pavillon teilt sich dabei in drei gleich große Bereiche zu je 4 Metern Breite.
Bereich 1 – Erlebniswelt Bergbahn
Die Bergbahn gestaltet einen kleinen Niederseilgarten mit Holzschnitzelboden. Kinder können dort klettern, balancieren und spielen. Gleichzeitig entsteht eine direkte Verbindung zu Timoks Wilder Welt auf Streuböden. Der Pavillon wird damit zu einem Schaufenster für das Bergerlebnis.
Winteridee der Bergbahn
Damit der Pavillon auch im Winter ein Erlebnis bleibt, könnten hier winterliche Elemente integriert werden:
– ein Skiline-Screen, auf dem Gäste ihre gefahrenen Pistenkilometer abrufen können
– ein Pistenraupen-Fahrerhaus, in das Kinder einsteigen können
– eine Schneekanone zum Anfassen
– Fotopunkte rund um das Thema Skifahren
Damit wird der Dorfplatz auch im Winter zu einem Treffpunkt nach dem Skitag.
Bereich 2 – Erlebniswelt Tourismusverband
Der Tourismusverband gestaltet eine große Sandspielfläche. Diese verweist spielerisch auf den Sandstrand am Naturbadesee Lauchsee – eines der schönsten Naturjuwele von Fieberbrunn.
Für Gäste entsteht so eine direkte Einladung:
Vom Zentrum aus ist der Lauchsee sogar leicht zu Fuß erreichbar.
Winteridee des TVB
Auch im Winter kann dieser Bereich inspirieren und informieren:
– Hinweise auf das Aubad und das Saunadorf
– Informationen über die Langlaufloipen
– Präsentation der Winterwanderwege
– Digitale Infoscreens mit aktuellen Aktivitäten
Der Pavillon wird damit zu einem Schaufenster für die gesamte Freizeitvielfalt von Fieberbrunn.
Bereich 3 – Das Dorfwohnzimmer
Der dritte Bereich gehört allen – Einheimischen wie Gästen. Unter dem großzügigen Dach des Pavillons entsteht ein Ort zum Verweilen.
Bequeme Sitzmöglichkeiten laden dazu ein:
– Im Schatten zu entspannen
– Den Kindern beim Spielen zuzusehen
– Sich mit Freunden zu treffen
– Oder einfach das Dorfleben zu beobachten
Der Pavillon wird so zu einem geschützten Aufenthaltsort – auch bei einem kurzen Sommerregen oder an heißen Tagen. Er ist damit nicht nur Bühne oder Attraktion, sondern auch ein Sozialer Treffpunkt im Zentrum von Fieberbrunn.
Jetzt aber: Heute ist Platzkonzert
Am Tag des Platzkonzerts verwandelt sich der Pavillon. Zwei Stunden vor Beginn packen vier Personen an und montieren die Bühnenelemente.
– Die Spielflächen verschwinden unter der Bühne.
– Der Pavillon wird zur großen Konzertbühne.
– Die Musikkapelle steht im Mittelpunkt – genau so, wie sie es verdient.
Warum Multifunktionalität entscheidend ist
Einen Platz beleben kann man nur, wenn es dort etwas gibt, das Menschen interessiert.
Das sehen wir jeden Dienstag im Sommer bei der Bummelnacht.
Würde man dort keine Spiele, Attraktionen und Erlebnisse anbieten, würde kaum jemand kommen.
Ein Platz lebt von:
– Aktivität
– Begegnung
– Spiel
– Erlebnis
– Aufenthalt
Die entscheidende Frage
Wenn wir den Pavillon ausschließlich für die Musikkapelle bauen, dann schaffen wir einen Ort, der nur 30 Stunden im Jahr sein volles Potenzial entfaltet. Die Konzerte unserer Musikkapelle sind großartig und wertvoll für den Ort – aber genau deshalb sollten wir einen Pavillon bauen, der mehr kann.
Einen Pavillon, der
– Bühne ist
– Spielplatz ist
– Treffpunkt ist
– Erlebnisraum ist
– Informationspunkt ist
– Aufenthaltsort ist
– Sommer und Winter verbindet
und damit zu einem lebendigen Herzstück unseres Dorfplatzes wird.
Der Pavillon sollte nicht nur Bühne sein.
Er sollte der Hauptdarsteller unseres Dorfplatzes sein.