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15.07.2026 Presse

ÖGK-Servicestellen in Tirol: Schließungen vorerst abgewendet

Mann liest Zeitung

ÖGK-Servicestellen in Tirol: Schließungen vorerst abgewendet: – persönliche Beratung und Versorgung vor Ort dauerhaft sichern

Grüne: „Einfach dichtmachen geht gar nicht – ÖGK-Obmann Huss muss nun sein Wort halten“

 

„Auch wenn der seit 1. Juli wieder im Amt befindliche ÖGK-Obmann Andreas Huss die Schließungspläne von vier Tiroler Regionalstellen wieder abgeblasen hat, werden wir ein Argusauge auf die Regionalstellen haben“, reagiert die Grüne Gesundheitssprecherin Petra Wohlfahrtstätter auf die vorläufige Rücknahme der Schließungspläne für die ÖGK-Servicestellen in Telfs, Imst, Kufstein und Zell am Ziller, die zuvor in Tirol auf heftigen Widerstand gestoßen waren.

 

Gerade Innsbruck-Land als einer der einwohnerstärksten Bezirke Österreichs brauche verlässliche und wohnortnahe Angebote. „Digitalisierung ist wichtig und kann vieles erleichtern. Sie ersetzt aber nicht das persönliche Gespräch. Gerade Menschen, die länger oder chronisch krank sind, komplizierte Anliegen klären müssen oder digitale Angebote nicht selbstverständlich nutzen können, brauchen erreichbare Ansprechpartner:innen vor Ort“, betont Wohlfahrtstätter.

 

Erleichtert über die vorläufige Rücknahme der Schließungspläne zeigt sich auch die Telfer Grüne Gemeinderätin Theresa Schomm: „Es ist eine gute Nachricht, dass die Servicestelle in Telfs vorerst erhalten bleibt. Nicht jedes Anliegen lässt sich mit ein paar Klicks erledigen. Gerade wenn es um Krankheit, Pflege oder komplizierte Versicherungsfragen geht, brauchen Menschen ein persönliches Gegenüber, das ihnen weiterhilft. Diese Möglichkeit muss auch langfristig gesichert sein.“

 

„Wir sind froh, dass die Pläne vorerst vom Tisch sind. Telfs ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die gesamte Region. Eine Schließung würde nicht nur die Telfer Bevölkerung treffen, sondern auch viele Menschen aus den umliegenden Gemeinden. Öffentliche Leistungen müssen dort erreichbar bleiben, wo die Menschen leben“, begrüßt auch Christoph Walch, Grüner Gemeinderat und Mitglied des Telfer Gemeindevorstandes, dass die Schließung vorerst abgewendet wurde.

 

Die von Huss angekündigten erweiterten Beratungs- und Serviceangebote der ÖGK müssten nun konkretisiert werden. Bisher sei nämlich unklar, ob damit tatsächlich zusätzliche persönliche Angebote in den Regionen gemeint seien oder lediglich ein weiterer Ausbau digitaler Leistungen. „Einfach Standorte zu schließen und auf Smartphone und Internet zu verweisen, ist keine Modernisierung“, so Wohlfahrtstätter. Was für Telfs gelte, gelte ebenso für die bedrohten Standorte in Imst, Zell am Ziller und Kufstein.
Neben dem Erhalt der persönlichen Beratung müsse aber auch die wohnortnahe Gesundheitsversorgung konsequent weiter ausgebaut werden. „An Primärversorgungseinrichtungen mangelt es in Tirol ohnehin. Bislang wurden in Tirol drei Primärversorgungseinheiten in Innsbruck, Fulpmes und Telfs eröffnet. Gerade die seit Dezember 2025 bestehende PVE in Telfs, die seit Kurzem auch eine gynäkologische Kassenstelle umfasst, ist ein wichtiger Meilenstein für die wohnortnahe Gesundheitsversorgung“, betont Wohlfahrtstätter.

 

„Die PVE zeigt, wie wichtig solche Angebote für Telfs und die gesamte Region sind und wie sehr die Menschen von einer Versorgung vor Ort profitieren“, unterstreichen Theresa Schomm und Christoph Walch unisono. „Daran gilt es anzuknüpfen: Telfs würde sich aufgrund seiner Größe, seiner zentralen Lage und seines großen Einzugsgebiets sehr gut für eine Kinder-Primärversorgungseinrichtung eignen“, schlägt Wohlfahrtstätter vor. Eine solche Einrichtung könne die kinderärztliche Versorgung verbessern und gleichzeitig die Ambulanzen entlasten. Auch der chefärztliche Dienst könnte dabei mitgedacht werden.
Wohlfahrtstätter stellt aber klar: „Eine Kinder-Primärversorgungseinrichtung wäre eine wichtige Ergänzung, aber kein Ersatz für die persönliche Beratung durch die ÖGK. Das Ziel muss sein, sowohl den Service für die Versicherten zu erhalten als auch die Gesundheitsversorgung vor Ort zusätzlich auszubauen. Wichtige Beratungsstellen einfach dicht machen geht gar nicht. Man kann die Menschen nicht ständig mit solchen auf dem Schreibtisch einfachen, aber für die Bevölkerung mit negativen Konsequenzen verbundenen Kürzungsmaßnahmen vor den Kopf stoßen.“

 

Bisherige Rückmeldungen zu den bereits bestehenden Primärversorgungseinrichtungen seien überwiegend positiv. „Wenn die ÖGK Veränderungen plant, muss sie diese gemeinsam mit den Gemeinden und den Menschen vor Ort entwickeln. Dann kann aus einer schwierigen Situation vielleicht ein Mehrwert entstehen“, regt die Grüne Abgeordnete abschließend einen konstruktiven Umgang an, wenn Kürzungen schon unumgänglich seien.

Petra Wohlfahrtstätter
Petra Wohlfahrtstätter

Landtagsabgeordnete, Delegierte zum Erweiterten Landesvorstand (Klub)

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