Interalpen: Aufklärung & Präventionsmaßnahmen jetzt!
Interalpen – Grüne drängen auf Aufklärung und Präventionsmaßnahmen
Bundesregierung muss Gewaltschutz am Arbeitsplatz umsetzen – neues Auswahl- und Auditverfahren bei der Auszeichnung von Lehrbetrieben in Tirol notwendig
Die systematische Erniedrigung, sexuelle Belästigung und der Machtmissbrauch im Interalpen-Hotel sind für die Tiroler Grünen Anlass, über das Hotelgelände hinaus Konsequenzen einzufordern. „Was für junge Menschen in einer Ausbildungszeit ein sicherer und respektvoller Ort sein sollte, wurde offenbar zur täglichen Zumutung und Belastung. Die Schilderungen der Betroffenen sind nicht nur skandalös – sie sind ein deutliches Alarmsignal dafür, dass bestehende Schutz- und Kontrollmechanismen für Lehrlinge unzureichend sind. Der Arbeitsplatz muss ein sicherer Ort sein“, so Jugendsprecherin Zeliha Arslan und Tourismussprecherin Barbara Neßler von den Tiroler Grünen.
Auf Landesebene müsse das Auswahl- und Auditverfahren bei Auszeichnungen von Lehrbetrieben überarbeitet werden. „Es gibt in Summe 9000 Lehrlinge in Tirol, die sich drauf verlassen können müssen, dass in vom Land ausgezeichneten Betrieben auch tatsächlich vorbildliche Bedingungen vorherrschen. Hier ist Landesrat Gerber gefordert, der offenbar auf Tauchstation ist. “, so Arslan in Richtung ÖVP-Landesrat.
Die Nationalrätin Barbara Neßler sieht nach der Forderung von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner „nach lückenloser Aufklärung“ die Bundesregierung selbst gefordert. Denn unabhängig vom speziellen Fall zeigen aktuelle Daten (Lehrlingsmonitor 2024) und frühere Studien, dass Probleme für Lehrlinge in der Ausbildung kein Einzelfall sind: Etwa 43 Prozent beschreiben, dass es Konflikte mit Vorgesetzten gibt, 40 Prozent der Lehrlinge sagen, dass sie das Arbeitsklima als schlecht empfinden. Ein Drittel berichtet über Mobbing, schlechte Rahmenbedingungen und respektlosen Umgang. Besonders im Tourismus- und Gastgewerbe sind solche Erfahrungen gehäuft dokumentiert. Neßler zeigt sich verärgert: „Gerade im Tourismus, wo wir aktuell einen massiven Fachkräftemangel erleben, dürfen junge Menschen nicht solchen Arbeitsbedingungen ausgesetzt werden. Das muss einfach besser gehen.“
Die Grünen fordern die konkrete Umsetzung der ILO-Konvention (Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation) 190, die den Schutz von Arbeitnehmer:innen vor Gewalt in jeglicher Form vorsieht, sowie verpflichtende Präventionsprogramme, stärkere Mitbestimmungsrechte, funktionierende Beschwerdestrukturen und klar geregelte Entschädigungsansprüche für Betroffene. „Die Regierung muss hier endlich in die Gänge kommen. Wir haben 2024 den Weg dafür geebnet, denn Gewalt und Belästigung sind keine Einzelfälle, sondern ein systematisches Problem“, so Neßler. Die Abgeordneten kündigen außerdem an, einen entsprechenden Antrag im Plenum des Nationalrates einzubringen, um die Umsetzung dieser Maßnahmen verbindlich voranzutreiben.