27.01.2026
Presse
Gesundheitssystem: Vom Aufwachraum direkt vor die Tür?
Gesundheitssystem: Vom Aufwachraum direkt vor die Tür?
Wohfahrtstätter: „Solange es keine geeignete niedergelassene postoperative Versorgung gibt, können die Menschen nicht einfach nach Hause geschickt werden“
Bestätigt sieht sich die Grüne Gesundheitsssprecherin Petra Wohlfahrtstätter durch den kritischen Befund des neuen medizinischen Geschäftsführer Thomas Klesitil. Wie die Grünen seit Jahren bemängelt auch Klestil die karge Tiroler Versorgungslandschaft. „Während in anderen Bundesländern Primärversorgungseinrichtungen längst zum Alltag der Menschen gehören, sind sie in Tirol so rar wie die Steinhühner. Nur wer ganz genau schaut, findet auch eines. Die ÖVP sitzt seit Ewigkeiten an den Hebeln der Macht im Gesundheitsbereich. Die Fehlentwicklungen in der Patient:innenlenkung gehen voll und ganz auf ihr Konto“, so Wohlfahrtstätter.
Dem neuen medizinischen Geschäftsführer der Tirol Kliniken Thomas Klestil wünscht Wohlfahrtstätter alles Gute für seine neue Aufgabe. „Zu beneinden ist er nicht, muss er doch die Quadratur des Kreises schaffen: mehr tagesklinische Eingriffe vornehmen, bedeutet stationäre Nachsorge nach Operationen kürzen, obwohl weder die Übergangspflege noch eine ausreichende Primärversorgung, z.B. für Verbandswechsel durch speziell ausgebildetes Pflegepersonal in der Fläche vorhanden ist. Die Menschen werden quasi aus dem Aufwachraum auf den Parkplatz hinaus geschoben. Auch bei einfacheren Eingriffen ist fast immer eine Zeit der Erholung und Betreuung durch andere nötig. Diese anderen sind sehr oft Frauen, die sich neben Teilzeitarbeit, Kinder- und Altenbetreuung auch immer öfter der Verpflichtung gegenüber sehen, weitere Verwandte oder nahestehende Personen nach Krankenhausaufenthalten zu betreuen bzw. Alltagserledigungen für diese zu besorgen. Es ist einfach alles nicht durchdacht. Die niedergelassenen Ärzte beschweren sich zu Recht, dass sie zu wenige Kapazitäten für die Operationsnachsorge haben“, zeigt die Grüne Gesundheitsexpertin auf.
In Bezug auf die fehlende Kinderprimärversorgung in Tirol kritisiert die Landtagsabgeordnete den Hick-hack zwischen den Gesundheitsplayern. „Die Gesundheit der Bevölkerung und insbesondere der Kinder darf keine Verschubmasse zwischen den mächtigen Playern sein. Erst hat man ein Kinder-Primärversorgungszentrum gar nicht für den aktuellen Tiroler Strukturplan hinein verhandelt und jetzt beschwert man sich, dass die ÖGK keines finanzieren will. Bei aller Kritik an der oft trägen Sozialversicherung. So geht es halt auch nicht“, sagt Wohlfahrtstätter.