Skip to main content
    Barrierefreiheit
02.04.2026 Presse

Arslan: FRIDA ist kein Ersatz für echte Betreuungsplätze

Mann liest Zeitung

Arslan: FRIDA ist kein Ersatz für echte Betreuungsplätze

Digitale Anmeldung allein schafft noch keinen Betreuungsplatz – nächster Sommer ohne Betreuung als Belastung im Anflug

 

 

Dass die nun eingeführte digitale Anmeldung FRIDA zur Kinderbetreuung in Tirol funktioniert, ist für die Tiroler Grünen „eine Grundvoraussetzung und keine Meisterleistung“. „Die digitale Anmeldung ist sinnvoll und überfällig. Endlich bekommen wir ein klareres Bild darüber, wo Angebot und Bedarf tatsächlich auseinanderklaffen. Aber eines muss klar sein: Eine Plattform schafft noch keinen einzigen zusätzlichen Betreuungsplatz“, so die Familiensprecherin Zeliha Arslan.

 

Die echte Bewährungsprobe liege erst vor dem Konstrukt, das die Landesregierung gewählt hat. Laut Tiroler Tageszeitung warten noch 1.525 Kinder auf einen Platz. „Müssen Eltern ihr Kind in einem ganz anderen Ort – bis zu 15 Autominuten entfernt – in die Kinderkrippe bringen, sodass das Leben zusätzlich kompliziert wird? Oder wird es tatsächlich wohnortnahe Lösungen geben, für die wir uns immer ausgesprochen haben?“, spricht Arslan neben der nach wie vor offenen Finanzierungsfrage in den Gemeinden den casus knacksus der Reform an.

Neben der Betreuung vor Ort wünschen sich Eltern laut Arslan vor allem eines: „Alltagstaugliche Öffnungszeiten, die Beruf, Care-Arbeit und alles, was im Familienleben sonst anfällt, unter einen Hut bringen. Und genau das fehlt. Es gibt zu wenig Personal und Tirol ist bei den Öffnungszeiten immer noch Schlusslicht. Hier sind keine Verbesserungen vonseiten der Landesregierung vorgesehen. Der nächste Sommer ohne Betreuung ist im Anflug. Für Eltern bedeutet das eine enorme Belastung, denn sie müssen im Alltag noch mehr unter einen Hut bringen“, sagt die grüne Familiensprecherin.

 

Wie in den letzten Jahren ist für viele die AK-Ferienaktion ein letzter Rettungsanker. „Die AK springt hier ein, wo eigentlich die öffentliche Hand gefordert wäre“, so Arslan. Laut Statistik Austria ist Tirol österreichweit Schlusslicht in der Kinderbetreuung. „Zu kurz geöffnet – und zu lange geschlossen. Das ist in vielen Gemeinden nach wie vor Realität. Im Bezirk Lienz und in Reutte ist das Angebot in den letzten Jahren sogar zurückgegangen“, verweist Arslan auf die Statistik.

 

Es habe nun drei Jahre gedauert, bis Schwarz-Rot die digitale Plattform zum Laufen gebracht hat. „Wenn in diesem Schneckentempo weitergearbeitet wird, sind die Kleinkinder von heute selbst Eltern, bis Tirol endlich die ganztägige und ganzjährige Kinderbetreuung realisiert hat. So viel Zeit haben Eltern aber nicht. Die Regierung lässt hier wertvolle Zeit verstreichen“, kritisiert Arslan.

 

Die Grünen fordern einmal mehr eine Garantie auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag, ganzjährig und ganztägig geöffnete Einrichtungen sowie kostenlose Betreuung. „Die Gemeinden brauchen dafür ausreichend Unterstützung. Das Geld ist von Land und Bund bereitzustellen. Kinderbetreuung ist kein Nice-to-have, sondern ein Must-have“, ist für die grüne Landtagsabgeordnete klar.

STATISTIK AUSTRIA

Quelle: https://www.statistik.at/fileadmin/publications/KTH-Monitoring_2024-25_Web-barrierefrei.pdf.pdf

  • In Tirol haben nur 70,7 % der Einrichtungen 47 Wochen oder mehr offen; 22,8 % liegen bei 44 Wochen oder weniger.
  • Mehr als ein Drittel aller Einrichtungen österreichweit, die weniger als 44-Wochen geöffnet
    haben, sind daher in Tirol (insgesamt 190 alleine in Tirol).
  • Auch bei den täglichen Öffnungszeiten hinkt Tirol weiter nach; Kurze Tage dominieren: In
    Tirol erreichen nur 30,8 % der Einrichtungen mindestens 9,5 Stunden pro Tag (nur OÖ
    schneidet hier noch schlechter ab)
  • 26,0 % öffnen weniger als 7 Stunden täglich (nur Steiermark schlechter). Österreichweit: 48,8
    % mindestens 9,5 Stunden und 14,9 % weniger als 7 Stunden.
  • Postleitzahlen-Lotterie auch innerhalb Tirols: Bei 3–5-Jährigen (VIF) reichen die Bezirkswerte
    der Vollzeit-konformen Einrichtungen von mehr als 70 %+ (Schwaz, Kufstein, Kitzbühel) bis
    13,8 % (Lienz – bundesweites Schlusslicht). Auch Reutte mit 22,1 % oder Imst mit 24,2 %
    bleiben deutlich zurück.
  • „Doppelte Bremse“ in Tirol: Schwach bei den geöffneten Wochen pro Jahr (70,7 % mit
    maximal 47 Wochen offen) und schwach bei den Tagesstunden (30,8 % unter 9,5 Stunden).
    → Eltern brauchen im Sommer Plan B und am Nachmittag Plan C.
Zeliha Arslan
Zeliha Arslan

Landtagsabgeordnete, Mitglied Landesvorstand (Klub), Delegierte zum Erweiterten Landesvorstand

[email protected]
Beitrag teilen