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am 29. November

Kaltschmid: „Es braucht dringend einen neuen Pioniergeist“

Georg Kaltschmid - Grüne sehen leere Personalzimmer als hausgemachtes Problem - harsche Kritik an wirtschaftsfeindlicher Abschiebepraxis der Bundesregierung

Wie verzweifelt Tiroler Betriebe derzeit auf Suche nach Fachkräften sind, zeigt sich besonders dramatisch im Tourismus. Laut AMS sind derzeit über 3000 Stellen im Tourismus offen, jeder zweite Betrieb sucht nach Personal, wie die Tiroler Tageszeitung heute berichtet​. Für den Grünen Tourismussprecher Georg Kaltschmid, der selbst ein Hotel führt, müsse die Situation sämtliche Alarmglocken schrillen lassen. „Für Betriebe ist der Fachkräftemangel existenzgefährdend. Ohne ausreichend Köche und Köchinnen kann kein Restaurant und ohne Hotelmitarbeiter*innen kein Hotel geführt werden“, kann Kaltschmid die Verzweiflung der Gastronomen und Hoteliers gut nachvollziehen.

Er sieht das Personalproblem großteils hausgemacht und übt entsprechend Kritik an der Tourismusausrichtung der letzten Jahrzehnte. „Es wurde ein Massentourismus mit der Brechstange und mit Bettenburgen forciert und das Credo ausgesprochen, dass weder links noch rechts und schon gar nicht in die Zukunft geschaut werden soll. Wir retten uns von einer Saison in die nächste ohne die Probleme wirklich anzugehen. Der entstandene immense Preisdruck schadet den kleineren und mittleren Betrieben sehr und führt dazu, dass immer weniger junge Leute interessiert sind, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Und die sich ändernden gesellschaftlichen Realitäten wurden genauso wenig berücksichtigt wie die Arbeitsbedingungen und Arbeitsvorstellungen der Mitarbeiter*innen. Work-Life-Balance der Mitarbeiter*innen scheinen für viele Unternehmer immer noch Fremdworte zu sein. Davor haben wir immer gewarnt“, spart der Grüne nicht mit Kritik.

Der Grüne Tourismussprecher fordert rasch einen neuen Pioniergeist im Tourismus ein, der den Zeitgeist des „immer mehr“ ablösen soll. „Wir müssen mit ganzer Kraft in die Nachhaltigkeit, in den Ganzjahrestourismus und in die Qualität investieren. Das beginnt beim Personal. Mit besseren Arbeitsbedingungen, klaren Arbeitszeiten, ganzjähriger Jobsicherheit und Rundumprogramm für Menschen mit Familie. Sonst wird sich die Lage weiter zuspitzen und Betriebe wegen Personalmangels zusperren müssen. Und hier sind auch wir im Land gefordert, gerade was den Ganzjahrestourismus angeht“, so Kaltschmid.

Wer diese Zeichen nicht erkannt hat, ist für Kaltschmid die Bundesregierung. „Jede Saison ist der Aufschrei in der Hotellerie nach Arbeitskräften groß. Hier vermisse ich nachhaltige Strategien des Bundes. Wir können uns nicht von einer Saison zur nächsten schaukeln ohne das Problem vom Grund her zu betrachten.“

Besonders sauer stoßen ihm die „wirtschaftsfeindlichen“ Aktionen der Bundesregierung auf. „Während überall händeringend nach motivierten Mitarbeiter*innen gesucht wird, schiebt Innenminister Kickl unter der Duldung von Sebastian Kurz hunderte Menschen ab, die genau diese Lücke füllen könnten und bereit wären sich im Tourismus voll reinzuhängen. Das ist doch an Absurdität nicht mehr zu überbieten was da derzeit passiert“, sagt Kaltschmid.

Er fordert alle Touristiker*innen auf sich gegen diese Abschiebepraxis auszusprechen und entsprechend Druck auf die Bundesregierung zu machen. „Viele im Tourismus haben sich von Sebastian Kurz einen Impuls erhofft. Diese Hoffnung hat sich mittlerweile ins Gegenteil gewandt“, so der Grüne.​

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