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am 21. Juni

12-Stunden-Arbeitstag: Finanziert der Bund dann die 12-Stunden Kinderbetreuung?

Stephanie Jicha - warnt: „Arbeitsverlängerung zieht einen Rattenschwanz an Problemen mit sich“

Wie undurchdacht und stümperhaft die schwarz-blaue Bundesregierung den 12-Stunden-Arbeitstag den Angestellten in Österreich überstülpen will, zeigt sich nicht nur am Rückwärts-Ruder-Kurs, den FPÖ Parteichef Strache gestern in der Zib 2 vorführen musste, sondern auch in den Folgewirkungen, die ein solch massiver Einschnitt für die gesamte Gesellschaft hätte. 


Betroffen davon ist neben dem Ehrenamt und dem Familienleben zum Beispiel auch die Kinderbetreuung. „Was passiert mit der Kinderbetreuung? Wie sollen die Länder hier ein flächendeckendes Angebot aus dem Boden stampfen? Und übernimmt der Bund dann auch die Kosten für die 12-Stunden Kinderbetreuung?“, weist Familiensprecherin Stephanie Jicha auf viele offene Fragen hin. 


Rechtlich wie praktisch würde ein 12-Stunden-Arbeitstag Familien und das Land Tirol vor viele neue Herausforderungen stellen. „In ganz Tirol ist mir keine öffentliche Kinderbetreuungseinrichtung bekannt, die 60 Stunden geöffnet hat. Wir kämpfen vielmehr derzeit darum, dass wir das Angebot in der Kinderbetreuung in ganz Tirol im Sinne des 40 Stunden Arbeitstages ausbauen. Derzeit schließen 70 Prozent der Kindergärten um 16:30 ihre Pforten. Ein 60-Stunden Angebot ist aus heutiger Sicht illusorisch", argumentiert Vize-Landtagspräsidentin Jicha und verweist auf die Zahlen aus dem Kinderbetreuungsbericht von 2017. Dazu komme noch, dass es Eltern derzeit gar nicht gesetzlich erlaubt ist das Kind so lange in der Betreuungseinrichtung zu geben. Im Tiroler Kinderbetreuungsgesetz ist festgehalten, dass die Aufenthaltsdauer eines Kindes in der Kinderbetreuungseinrichtung 40 Stunden nicht überschreiten darf. „Wenn die Regierung ihre Pläne allen Widerständen zum Trotz durchzieht, bringt das also einen Rattenschwanz von Problemen mit sich“, warnt Jicha. 


Das gerne ins Feld geführte Argument, dass es sehr wohl berechtigte Ausnahmen geben werde, hält Jicha für vorgeschoben. "Der Druck auf Arbeitnehmer*innen wird immens, auch wenn es Ausnahmen geben soll. Entweder man ist dann beim Chef unten durch oder bei seinen Kolleg*innen, die stattdessen einspringen müssen. Und im schlimmsten Fall werden Menschen, die private Verpflichtungen und fixe Hobbies haben erst gar nicht mehr eingestellt. Flexibilität wird so zum Bewerbungs-Muss", kritisiert die 28-jährige Vomperin.

Für die Grüne Landtagsabgeordnete stelle sich die gesamte Ho-Ruck-Aktion der Bundesregierung als „Bauchfleck mit Ansage“ dar. Sie plädiert dafür den Pfusch einzustellen und die derzeitige Regelung des 12-Stunden-Arbeitstages beizubehalten. „Es gibt eine 12-Stunden Regelung, die auf Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beruht und gut funktioniert. Die ermöglicht ausreichend Flexibilität. Statt dass die Regierung hier weiter zulasten der hart arbeitenden Menschen in Österreich agiert, sollte sie endlich für Entlastung sorgen: Wo bleibt der Tatendrang zur Abschaffung der kalten Progression“, wirft Jicha eines jener Themen auf, wo sich schwarz-blau bisher wegduckt. ​

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