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21.05.2024 Presse

„Oh­ne Un­ter­stüt­zung wird das Stil­len ver­lernt“

Mann liest Zeitung

Wohlfahrtstätter: „Ohne Unterstützung wird das Stillen verlernt“

Grüne Initiative zur Stillförderung von schwarz-roter Regierungsmehrheit abgewiesen – Grüne bei Ärzt*innenmangel-Debatte offen für fachabhängige Verpflichtungsdauer

 

Sinnvoll und doch abgelehnt. Eine weitere wichtige Landtags-Initiative von Gesundheitssprecherin Petra Wohlfahrtstätter in Tirol wurde von schwarz-rot abgewiesen. Dabei behandelt der Antrag ein Thema, das für viele Frauen nach der Geburt relevant ist: das Stillen. Fachgesellschaften empfehlen bis zu sechs Monate ausschließliches Stillen, um Gesundheit von Mutter und Kind optimal zu fördern. Laut der aktuellen großen österreichischen Stillerhebung (Sukie-Studie) wollen fast 100 Prozent der frisch gebackenen Mütter stillen, nach der ersten Lebenswoche des Babys stillen noch 55 Prozent voll, nach sechs Monaten sind es nur mehr 10 Prozent. „Die Sonntagsreden zu mehr Prävention und Gesundheitsförderung sind das Papier nicht wert, wenn die Landesregierung aus den bedenklichen Erkenntnissen der großen Sukie-Studie keine gezielten Maßnahmen für Tirol ableitet“, kritisiert die Grüne Gesundheitssprecherin Petra Wohlfahrtstätter die Ablehnung.

Es gibt viele Gründe, warum es mit dem Stillen oft nicht so klappt, wie gewünscht. Wohlfahrtstätter sieht vor allem ein Defizit an Unterstützung und Wissen als Ursache. Es gebe Beratung in den Geburtshilfeabteilungen der Tiroler Krankenhäuser und auch in verschiedenen Beratungsstellen. „Aber anscheinend reicht es nicht, weil die Krankenhäuser mehrheitlich in ihren Stellungnahmen unseren Antrag, entsprechende Weiterbildungskurse für Fachpersonal zu finanzieren, ausdrücklich begrüßt haben und die Absolvierung der Kurse sogar in der Dienstzeit gewähren würden“, erklärt Wohlfahrtstätter.

„Ich würde mir wünschen, dass das Land Initiativen setzt, um das Stillen besser zu fördern und erkennt, dass die Beratungsangebote evaluiert werden sollten. Unser Ansatz, in einem ersten Schritt eine bestimmte Anzahl von Weiterbildungs-Zertifikaten zu übernehmen, weil diese vom Fachpersonal privat zu bezahlen und in der Freizeit zu absolvieren sind, sehen wir als sehr einfach und günstig umzusetzende Maßnahme. Zehn Kurse kosten an die 40.000 Euro. 200 Kubikmeter Beton kosten auch so viel. Aber so viel ist die Stillförderung der Tiroler Landesregierung anscheinend nicht wert“. Die Grünen erwarten sich, dass in der ausständigen Tiroler Gesundheitsförderungs-Strategie ein konkreter Plan zur Stillförderung enthalten ist, der über Lippenbekenntnisse hinausgeht. Fachexpertinnen fordern eine kostenlose und flächendeckende qualifizierte Stillberatung, um die Frauen bei ihrem Stillwunsch zu unterstützen.

 

Zur von Landesrat Dornauer geführten Debatte über eine zehnjährige Verpflichtung von Jung-Ärzt*innen im öffentlichen Gesundheitssystem meint Wohlfahrtstätter: „Das wurde bereits letzte Woche mit der neuen 15a – Vereinbarung im Tiroler Landtag beschlossen. Es sollen Modelle in diese Richtung erarbeitet werden. Über die Länge der Verpflichtung nach der Ausbildung muss man diskutieren. Das gehört an mehreren Parametern festgemacht: Wer zum Beispiel in Mangelfächer wie Psychiatrie oder Kinderheilkunde geht, soll weniger lang im öffentlichen System bleiben müssen als jene, die besonders lukrative Fachbereiche anstreben. Wir haben in Österreich bereits eine hohe Dichte an Ärzt*innen – nur in jenen Fächern, die nicht so lukrativ sind, wie eben Psychiatrie oder Kinderheilkunde, fehlen die Ärzt*innen. Auch Kassen-Zahnärzt*in scheint nicht der Traumberuf der jungen Studierenden zu sein.

 

Hier muss es eine gesellschaftliche Diskussion darüber geben, welche soziale Verantwortung wir von angehenden Ärzten und Ärztinnen verlangen“, so Wohlfahrtstätter. Generell müsse es in der Gesundheitspolitik ein Umdenken von der Reparatur hin zur Prävention geben. Gesundheit beginne bereits im Babyalter. Hier schließe sich der Kreis, warum Stillen so wichtig ist, sagt Wohlfahrtstätter. „Das Stillen begünstigt durch die Beanspruchung der Kiefermuskulatur eine gesunde Zahnstellung und kann später eine teure Regulierung ersparen.“

 

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Download: Antrag Maßnahmen zur Stillförderung.pdf

Petra Wohlfahrtstätter
Petra Wohlfahrtstätter

Landtagsabgeordnete, Delegierte zum Erweiterten Landesvorstand (Klub)

[email protected]
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